Bad Saulgau - Ein schönes Fleckchen Erde

Ein Erfahrungsbericht von Anita Metzler-Mikuteit

Welch ein Glück: Nach einigen kühlen und so gar nicht sommerlich anmutenden Tagen zeigt sich die Sonne heute bereits am frühen Morgen. Unserem kurzfristig geplanten „ Freundinnen-Genießer-Tag“ steht nichts mehr im Wege. Also rauf auf die Räder und los geht es Richtung Sießener Säge, ein kleiner Weiher im Ortsteil Wagenhausen, rund vier Kilometer von Bad Saulgau entfernt. Auch wenn Lisa seit vielen Jahren nicht mehr in Bad Saulgau wohnt, würde sie den Weg dorthin vermutlich mit verbundenen Augen finden: Schließlich sind wir als Kinder in den Sommerferien fast täglich dorthin geradelt. Auf der Fahrt erzähle ich ihr von den Campingplatz-Bauplänen in unmittelbarer Nähe zu unserem idyllisch gelegenen Weiher, der uns in all den Jahren so sehr ans Herz gewachsen ist. ,,Ist aber nichts draus geworden“, beruhige ich sie. Es gibt natürlich viel zu erzählen, wenn man sich so selten sieht, und in Bad Saulgau hat sich in den vergangenen Jahren vieles getan. Im Weiher tummeln sich morgens in aller Regel nur vereinzelt Badegäste, und die genießen genau wie wir die fast gar meditative Ruhe rundum. Nur ein paar Fischer haben schon am frühen Morgen ihre Klappstühle aufgestellt und warten in aller Ruhe, bis endlich ein Fisch anbeißt, der anschließend flugs auf dem Grill landet.

Nachmittags geht es etwas lebhafter zu, wenn Jung und Alt auf dem schmalen Grünstreifen ihre Badematten ausbreiten, die Kinder vom betagten Holzsteg ins Wasser hüpfen oder mit ihrem Schlauchboot auf Erkundungstour gehen. Wunderbar erfrischt und gleichermaßen entspannt machen wir uns anschließend auf den Weg zum Seestüble, eine gemütliche Gaststätte mit schöner Sonnenterrasse, nur wenige Meter vom Weiher entfernt. Wir genießen unser „Seefrühstück“, das abschließende Gläschen Prosecco inklusive. So könnte jeder Tag beginnen! „So ein schönes lauschiges Plätzchen“. Das hat sich auch bei den Kurgästen aus den nahe gelegenen Kliniken herum gesprochen. Auch sie kommen gerne hier her und genießen dieses schöne Fleckchen Erde.

Wir entscheiden uns während der Weiterfahrt spontan, im benachbarten Kloster Sießen Halt zu machen. Wieder erwartet uns ein Ort, der zum Innehalten und Zurücklehnen einlädt. „Einfach wunderschön, da wird es mir richtig warm um‘s Herz“, schwärmt Lisa beim Betreten der barocken Kloster- und Pfarrkirche St. Markus. Das sehen die Franziskanerinnen, die hier nach der Säkularisation Mitte des 19. Jahrhunderts ihr Mutterhaus eingerichtet haben, nicht anders: „Die Kirche kündet von der Schönheit des Glaubens und der Welt - wir wünschen Ihnen, dass sie etwas von dieser frohen und lebensbejahenden Botschaft in ihren Alltag mitnehmen“, ist dort zu lesen.

Der Hl. Franziskus lädt zum Verweilen ein

Das machen wir gerne - und stehen angesichts der fortschreitenden Zeit vor der nächsten Entscheidung: Hummelsaal oder Franziskusgarten? Oder vielleicht doch beides? Wir verschwenden keine Zeit damit, uns mit dieser Frage zu quälen, sondern besuchen zuerst die Dauerausstellung von Schwester M. lnnocentia Hummel. Viele wissen um ihre Zeichnungen, die als Vorlage für die weltberühmten Hummelfiguren dienten. Doch wer kennt schon die exzellenten Aquarelle und Portraits oder den unvollständigen Kreuzweg der Franziskanerin, die in den 30er Jahren an der Münchner Staatsschule für Angewandte Kunst mit großem Erfolg ein Studium absolviert hat? Auch wenn die Produktion der Hummel-Figuren von der Firma Goebel Porzellanmanufaktur inzwischen eingestellt wurde, zieht es noch immer zahlreiche Hummelfans an die Wirkstätte der Künstlerin. Nur wenige wissen, dass sich auch die letzte Ruhestätte auf dem Klosterberg hier befindet. Ein richtig gehender Publikumsmagnet ist das zweimal jährlich statt findende Franziskusfest. Immer Anfang Mai verwandelt sich das Klosterareal in ein riesiges Spiel- und Bastelparadies für Kinder.
Das zweite Fest im September richtet sich mit einem vielfältigen Seminar- und Workshopangebot zu den unterschiedlichsten Themenbereichen schwerpunktmäßig an jugendliche und Erwachsene. Unseren Lieblingsroman haben wir heute leider nicht dabei. Sonst könnten wir uns jetzt im Franziskusgarten an dem kleinen romantischen Weiher mitten im Wald auf einem Bänkchen nieder lassen und genussvoll ein bisschen schmökern. Und wieder diese herrliche Ruhe! Wir schlendern durch den Meditationsgarten, spüren dem Sonnengesang des Heiligen Franziskus nach, der Impulsgeber für die Gestaltung des weitläufigen Gartens war. Hier ein Kräutergärtlein, dort ein Labyrinth, am Waldesrand eine kleine Kapelle. „Was macht diese tägliche Hektik mit uns? Was bringt es uns letztlich, immer noch ein bisschen schneller zu sein?“ sinnieren wir auf dem Rückweg und haben schon wieder ein Thema gefunden, das sicherlich nicht nur uns bewegt. Dass wir anschließend mit einem beträchtlichen Tempo den Sießener Fußweg Richtung Stadtmitte fahren, hat jedoch weniger mit Hektik, sondern viel mehr mit der Wegführung zu tun. Beim Haldenhof – der Bauernhof liegt idyllisch auf einer kleinen Anhöhe zwischen Sießen und Bad Saulgau – machen wir kurz Halt, um uns in „Köberles Hofladen“ mit regionalen Gaumenleckereien einzudecken.

„Altes Kloster“ und „neue“ Kleber-Post

Dann geht‘s weiter Richtung Stadtmitte. Den neu gestalteten Kreisel am „Saulgauer Loch“ mit seinen überdimensionalen Figuren sieht Lisa heute zum ersten Mal. „Gefällt mir“, ist ihr kurzer Kommentar, auch wenn sie ein bisschen was Blühendes und Buntes an dieser Stelle vermisst. Oder vielleicht sogar ein kleiner Brunnen mit Thermalwasser, dem „kostbarsten Nass“ in unserer Stadt? Doch letztlich ist es immer die breite Vielfalt einer Stadt, die neugierig macht und die es zu entdecken gilt. Und die offenbart sich auf besonders beeindruckende Weise im neuen Kulturzentrum von Bad Saulgau, dem „Alten Kloster“. Kunst, Musik und Literatur haben hier, in einem denkmalgeschützten und anspruchsvoll renovierten Gebäude aus dem Jahre 1665 – eine Heimat gefunden, die seit der Eröffnung im Januar 2010 viele bewundernde Blicke bis weit über die Landesgrenzen hinaus auf sich gezogen hat. „Lass dich überraschen“, sag ich und führe Lisa in die hier untergebrachte Städtische Galerie „die Fähre“. Dass sie jetzt gleich ins Staunen kommen wird, war mir klar: Seit Wochen sind hier Werke der berühmten Fotografin Herlinde Koelbl zu sehen. Dass es hier zukünftig immer etwas Außergewöhnliches zu entdecken geben wird, da sind wir uns sicher. Schließlich gibt es in Bad Saulgau viele „ kulturbewegte“ und engagierte Bürgerinnen und Bürger. Es macht schon ein kleines bisschen stolz, Gästen solcherlei kulturelle Highlights präsentieren zu können.

Direkt gegenüber lockt uns die schöne Gartenterrasse des Hotel/Restaurant Kleber-Post mit einer Tasse Capuccino zu einer Verschnaufpause. Das Traditionshotel mit seiner langen Geschichte hat seine Pforten nach einem mehrjährigen „Dornröschenschlaf“ und einer durchweg gelungenen Renovierung wieder geöffnet. Die große Resonanz spricht für sich: Es ist ein richtiges Schmuckstück geworden, in dem es sich auf‘s Angenehmste wohnen und speisen lässt. Tradition und Innovation verbinden sich in dem Vier-Sterne-Romantikhotel mit Restaurant mitten in Bad Saulgau auf vorbildliche Weise.
Weiter geht‘s durch die Fußgängerzone Richtung Marktplatz. „Bad Saulgau ist ein richtiges Wohlfühlstädtle geworden“, findet Lisa. Das kann ich nur unterstreichen. Auf dem Marktplatz ist - wie immer bei schönem Wetter oder an den Markttagen - richtig was los. In den Straßencafes gibt es keinen freien Platz mehr, Kinder halten nach den Störchen auf dem Kirchturm Ausschau, Alt und Jung machen es sich auf den Sitzbänken beim Brunnen gemütlich.

Heilwasser und Ganzkörpermassage - ein Genuss

Doch die Krönung unseres gemeinsamen Tages kommt zum Schluss: Ein Besuch in der Sonnenhof-Therme. Wir nehmen den Weg über die Schillerhöhe, vorbei am Cafe Schillergarten und den zahlreichen Wohnmobilisten, die Meisten sind seit vielen Jahren Stammgäste hier. Die große Heilkraft des schwefelhaltigen Wassers ist weitum bekannt, viele nehmen deshalb auch weite Anfahrtswege auf sich. Wir haben uns kurzerhand entschlossen, nach dem herrlich entspannenden Bad eine wohltuende Ganzkörpermassage zu buchen. Bei einem Gläschen Wein und einem leckeren Gemüseteller mit einem Blütenschaumhäubchen lassen wir diesen wunderschönen Tag auf der Terrasse des Hotel/Restaurant „Schwarzer Adler“ ausklingen. So schön kann ein Tag in Bad Saulgau sein - und durchaus zur Nachahmung empfohlen.