Bad Waldsee - eine Landschaft zum genießen, eine Stadt zum entschleunigen

Ein Erfahrungsbericht von Susanne Heiss

Hymer und die Geschichte der Wohnwagen und Reisemobile

Kleine Reiseabenteuer so weit das Auge reicht: Wer auf der B30 zwischen Ulm und Bodensee unterwegs ist, kommt unweigerlich am neuen Erwin Hymer Museum vorbei. Das modern gestaltete Gebäude liegt linkerhand, rechterhand führt die Straße in die Altstadt von Bad Waldsee und an den See. Doch wir bleiben zunächst im Museum. Hier präsentiert eine neu eröffnete Dauerausstellung die Welt des mobilen Reisens. Ein Museum nicht nur für Wohnmobil-Freaks, sondern für Jung und Alt, für die ganze Familie. Von Dethleffs Wohnauto aus dem Jahr 1931 über Hymers Ur-Troll der 50er Jahre bis hin zum modernen Reisemobil sind über 80 Originale zu sehen und zu erleben - faszinierend in Szene gesetzt vor touristischen Zielen: von der Ostsee bis zur Adria, von Indien bis Amerika. Die Museumsbesucher lernen den kulturhistorischen Hintergrund rund ums Reisen mit dem Wohnmobil oder Caravan kennen, tauchen ein in die Geschichte der Pioniere und erfahren Spannendes aus den Bereichen Technik und Design. „Schon seit über 15 Jahren hatte ich den Wunsch gehegt, ein Museum für historische Caravans und Reisemobile zu bauen”, sagt Erwin Hymer, der in Bad Waldsee geborene Stifter des Museums: „Ein schönes Museum auch für Kinder, in dem es nicht nur um Fahrzeuge geht, sondern ums mobile Reisen.”

Bad Waldsee – zwischen zwei Seen an der Oberschwäbischen Barockstraße

Weitaus älter als die Geschichte des mobilen Reisens ist der Barock. Womit wir in der Stadt angekommen sind: Das 20 000 Einwohner zählende Bad Waldsee ist eine Schatztruhe für Liebhaber mittelalterlicher Architektur. Es liegt idyllisch eingebettet zwischen zwei Seen an der Oberschwäbischen Barockstraße. In und um die heutige Kurstadt reihen sich historische Sehenswürdigkeiten wie Perlen an der Schnur. Schon bei der Anreise fällt aus der Ferne der Blick auf die beiden über Eck stehenden Türme der Stiftskirche St. Peter des 1181 gegründeten Waldseer Augustiner-Chorherrenstifts. Prächtig anzusehen ist der barocke Hochaltar. Hier wirkte Baumeister Dominikus Zimmermann mit, der Jahre später als Krönung seines Schaffens die berühmte Wieskirche erbaute.

Im Umland treffen Interessierte auf Schritt und Tritt auf prächtig ausgestattete Kirchen und Klöster - bunte Engel und Heiligenfiguren zwischen goldglänzendem Schmuckwerk. Einen Besuch lohnt die Kapelle St. Georg in Gwigg, die laut Stadtarchivar Michael Barczyk zu den sehenswertesten Barockbauten der Region zählt.

„Barocke Lebensart” spiegelt sich noch heute in der regionalen Küche. Gerichte wie „Brennte Supp mit gebähtem Brot”, „grüne Butterknöpfle”, „eingemachtes Kalbfleisch” und die Nachspeise „Nonnenfürzle” kommen nach Originalrezepten aus dem 17. und 18. Jahrhundert auf den Tisch. Michael Barczyk erzählt gerne Geschichten aus alten Tagen und relativiert: „Das Lebensgefühl manifestierte sich vor gut 400 Jahren auch in den Speisen - zumindest an Fest- und Feiertagen. Was im Alltag allerdings auf den Tisch kam, war dagegen eher karg.” Musikalisch begleitet von Bernhard Bitterwolf mit seinen zeitgenössischen Instrumenten, präsentiert der Leiter des Stadtarchivs hin und wieder mehrgängige Abendmenüs unter dem Motto: „Tafeln wie zu Zeiten des Barock.”

Gotik und Barock

Heute „erzählt” die von dicken Stadtmauern umgebene Altstadt vom mittelalterlichen Treiben. Auf dem Marktplatz thront stattlich das schöne Rathaus von 1426 und offenbart dem Betrachter eine Reise in die Zeit der Gotik und Renaissance. Auf der Turmspitze reckt goldglänzend Justitia ihre Waage in die Höhe. Gegenüber liegt das aus der Gotik stammende ehemalige Kornhaus, in dem jetzt ein sehenswertes Heimatmuseum untergebracht ist. Sommers treffen sich hier rund um den Brunnen Sonnenhungrige und Radfahrer. Sie spüren die Ruhe, die den Waldseern offensichtlich innewohnt - dann ist Bad Waldsee ein Ort zum Entschleunigen.
Buchstäblich umarmt wird die Altstadt von ihren zwei Seen, dem Stadtsee und dem Schlosssee. Am Ufer des letzteren steht das fürstliche Wasserschloss Waldsee. Am größeren und zugleich aktiven Stadtsee wird an sonnigen Tagen gerudert, gebadet und geangelt. Im Winter - Tragfähigkeit vorausgesetzt - ist der See für Schlittschuhläufer und Eishockeyspieler geöffnet. Ein gemütlicher Spaziergang auf dem Aktivweg führt einen ein Mal rundherum und vorbei an der Wassertretstelle, am Barfußpfad, am Labyrinth und am Sinnesgarten - kleine Haltestellen für die Gesundheit.

Unterwegs im Land der Drumlins

Bekannt ist Bad Waldsee schon lange auch als vitales Reiseziel. Herrscht Föhn, scheint die Alpenkette direkt vor der Türe zu liegen, sodass dieser, von der Natur verschwenderisch bedachte Landstrich geradezu zum Wandern auffordert, ohne dass hohe Berggipfel erklommen werden müssen. Moränenhügel aus der letzten Eiszeit, sogenannte Drumlins, prägen die Landschaft. Erlebnisreiche Ausflugsziele sind die Kapelle Volkertshaus oder das Kloster Reute. Neben zehn neuen Wanderwegen wurden auch vier zertifizierte Terrainkurwege ausgewiesen. Diese kurzen Wege ermöglichen ein dosiertes Kreislauftraining. Ein Muss ist die Wanderung durch den urtümlichen Durlesbachtobel. Sie führt zum Bahnhof Durlesbach - vielen bekannt aus dem Lied „Auf de schwäb‘sche Eisebahne”. Neu ist eine Halbmarathonstrecke für sportlich Aktive. Wunderschön in den Wald integriet ist ein Klettergarten - selbst kleine Mutige dürfen es hier wagen.

Gesundheit tanken

Auch als Moorheilbad und Kneippkurort gibt sich Bad Waldsee alle Ehre. Gleich drei klassische Heilmethoden werden hier erfolgreich kombiniert: das fluorid- und schwefelhaltige Thermalwasser, das mit rund 60 Grad aus der Erde sprudelt, die Moortherapie mit heimischem Moor aus dem Umland und die Kneipp‘sche Lehre. Mit den fünf Elementen Wasser-, Pflanzen- und Ernährungstherapie, Bewegungs- und Entspannungsanwendungen werden Kreislauf und Stoffwechsel harmonisiert und das seelische Wohlbefinden gestärkt. Ein abwechslungsreiches Vitalprogramm hat entsprechend der Gesundheitspark aufgestellt: Die Waldsee-Therme mit ihrem großen therapeutischen Angebot und die gegenüberliegenden Hotels und Pensionen bieten je nach Saison Aquabiking und Aquafitness in der Therme oder gemeinsame Qi-Gong-Stunden und geführte Wanderungen. Und hier am Waldrand liegt auch der moderne Wohnmobilstellplatz, welcher die mobilen Reisenden mit zeitgemäßem statt mit „musealem” Komfort verwöhnt. Der kann schließlich besser, wie eingangs beschrieben, im Erwin Hymer Museum besichtigt werden.